RIPPENSCHMERZ
(Schmerz in der Rippe)
Anatomie (= Lehre vom Körperaufbau)

Vordere und seitliche Ansicht des Brus tkorbs, bestehend aus:

  • 12 Brustwirbeln,
  • 12 Rippe n paaren und dem
  • Stern um (= Br ustbein)

Wie kann ein Rippenschmerz entstehen?

Es ist sinnvoll, das Thema Rippenschmerz in 2 Gruppen einzuteilen:

1. Schmerz, der von den Rippe n selbst ausgeht und ein

2. Rippenschmerz, der im Rahmen von Affektionen (= Erkrankungen, Störungen) der Brustorgane oder benachbarter Gewebsstrukturen auftritt.

Zu 1): Fast jeder von uns litt schon mal nach einer Prellung des Brus tkorbs unter Rippenschmerz en. Diese sind meist harmlos und klingen auch bald wieder ab.
Schon heftiger und auch anhaltender ist ein Rippenschmerz nach einer Rippe nfraktur oder gar mehrerer.
Sehr hartnäckig ist ein Rippenschmerz aufgrund einer Entzündung einer oder mehrerer Ri
ppen (Osteitis (= Knochenentzündung) und/oder Periostitis (= Knochenhautentzündung)).

Zu 2): Ein Rippenschmerz im Rahmen einer Herzaffektion, z.B. der Angina pectoris, ist kein schmerz therapeutisches Thema, da dieser kausal (= auf die Ursache gerichtet) behandelt werden muß, also durch den Kardiologen.

Schmerztherapeutisch bedeutsam ist dagegen der Brus t- bzw. Rippenschmerz beim Morbus Tietze. Diesem liegen Störungen im Bereich der oberen sternokostalen Übergänge (= Übergänge vom Bru stbein zu den Rippe n) zugrunde, hervorgerufen durch synchondrosennahe (= nahe am Knorpelgelenk gelegene) Überlastungs- oder Ermüdungs(mikro)brüche, nicht selten nach einer Thorakotom ie (= operative Eröffnung des Brustraumes).
In der Regel geben die Patienten einseitige, unspezifische Brus
t- bzw. Rippenschmerz en an, überwiegend links, die bei Beschwerdezunahme auch in den linken Ar m ausstrahlen und dann Herzbeschwerden vortäuschen können. In vielen Fällen bestand bei Patienten mit einem Tietze-Syndrom deshalb in der Vorgeschichte schon häufiger der Verdacht auf Herzinfarkt. Bei rechtsseitiger Beschwerdelokalisation kann es auch zu einer Schmerzausstrahlung in den rechten (Ober-) Arm kommen.
Vegetative Begleiterscheinungen, wie beschleunigter Puls und Hitzegefühl sind nicht selten und Charakter der Sch merzen ist oft brennend oder glühend, also ganz im Sinne einer Sympathalgie
(= Schmerz, ausgehend vom vegetativen Nervensystem) bzw. eines Quadranten-Syndrom s (= vegetativer Schmerz im Bereich eines Körperviertels).
Beim Quadrantensyndrom folgt die Schmerzausbreitung nicht der segmentaler Ordnung der Nerven sondern mehr dem Verlauf eines größeren Blutgefäßes.
Nicht selten klagen die Patienten neben einem Rippenschmerz auch über Brus
tbein sch merzen (Sternalg ie) und z.T. über in den gleichseitigen Halsbereich aufsteigende Beschwerden.
Bei der Untersuchung sind beim Tietze-Syndrom die schmerzseitigen Rippe nansätze am Brus
tbein deutlich druckschmerzhaft und erscheinen aufgetrieben. Bei stärkerem Druck kann häufig der vom Patient geschilderte Rippenschmerz ausgelöst bzw. deutlich verstärkt werden.
Die Schmerzbehandlung bei Tiet
ze-Syndrom ist einfach und überwiegend erfolgreich:
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain 0,5%) in Form von wiederholten Infiltrationen (z.B. 2 mal täglich über 10 Tage) der schmerzhaften Rippe n ansätze am Brus tbein (evtl. auch mit Kortikoidzusatz).
Zur Vermeidung einer folgenschweren Verletzung des Mediastinums
(= Mittelfellraum, unter dem Brus tbein gelegen) empfiehlt es sich, die Kanüle (= Spritzennadel) nicht senkrecht zur Haut einzustechen, sondern stets in einem Winkel von ca. 45 Grad.
Wohltuend empfindet der (schlanke) Patient auch das Auftragen einer anästhesierenden
(= betäubenden) Salbe, z.B. EMLA® oder ASS in Äther gelöst.Auch kann eine Iontophorese (= Einbringen eines Medikaments durch die Haut mit Hilfe eines elektrischen Stroms) mit z.B. Diclofenac hilfreich sein.
In hartnäckigen Fällen muß die beschriebene
therapeutische Lokalanästhesie konsequent 2 mal täglich (auch am Wochenende) durchgeführt werden, was i.d.R. allerdings nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist.Als nächst höhere Therapiestufe kommt dann die wiederholte Blockade des Ganglion stellatum (= eine Schaltstelle des unwillkürlichen Nervensystems im seitlichen Halsbereich) in Frage.

Die sog. Interkostalneuralgie beschreibtziehende, gürtelförmige Schmerz en, auch Rippenschmerz en entlang einem oder mehreren Zwischen rippe nräumen mit typischen Druckpunkten paravertebral (= neben der Wirbelsäule), in der Axillarlinie (= von der Achselhöhle abwärts) und paramedian vorn (= neben der Mittellinie vorne). Betroffen sind die sog. Zwischen rippe nnerven (Nn. intercostales).
Häufige Ursachen: degenerative
(= abnutzungsbedingte) Veränderung der Wirbelsäule mit Kompression (= Einengung) der Nervenwurzel n, Zustand nach Thorakotom ie (= operative Eröffnung der Brus thöhle, evtl. mit Rippenentfernung), in diesem Falle spricht man von einem sog. Postthorakotomiesyndrom.
Mehr über die Intercostalneuralgie erfahren Sie hier: http://www.interkostalneuralgie.de
(einfach anklicken).

Eine sog. Mastalgie bzw. Mastodynie kann auch von einem Rippenschmerz begleitet werden. Die häufigste Ursache ist eine En tzündung der Brustdrüse (Mastitis).
Eine Mastalgie tritt auch im Rahmen des sog. prämenstruellen Syndroms
(= Krankheitszeichen vor der Regel) auf, begleitet dann von Dysmenorrhö (= schmerzhafte Regel), Kopfschmerz en, Völlegefühl, seelische Verstimmung, evtl. Ödembildung (= krankhafte Flüssigkeitsansammlung), Exazerbierung (= neuerliche Verschlimmerung) einer Migräne oder ganz selten auch Epilepsie (= Fallsucht). Als Ursache wird eine hormonale und neurovegetativer Dysfunktion (= das vegetative, unwillkürliche Nervensystem betreffende Fehlfunktion) vermutet. Die Behandlung erfolgt primär fachspezifisch (Frauenarzt, Endokrinologe).
Ganz selten kann auch beim Mann ein derartiger Rippenschmerz auftreten und zwar im Rahmen einer sog. Gynäkomastie. Dabei kommt es zu einer meist beidseitigen Hypertrophie
(= Größenzunahme eines Gewebes oder Organs nur durch Zellvergrößerung) des Brustdrüsenkörpers. Zugrunde liegt meist eine endokrine (= die Hormondrüsen betreffende) Erkrankung, manchmal auch infolge eines hormonaktiven Tumors.

Es kommt aber nicht selten vor, daß trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) Behandlung dieser Brus tkorb- bzw. Rippenschmerz weiter anhält und so Anlaß zu einer Schmerztherapie geben kann, vor allem wenn Analgetika (= Schmerzmittel) nur ungenügend wirken.

Zur Schmerztherapie (spezielle Schmerztherapie) eignen sich bei einer Mastalgie wiederholte Interkostalblockaden (= Betäubung der Zwischenrippennerven) in der entsprechenden Höhe mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters so erhöht werden, daß eine kontinuierliche Blockade zustande kommt.
Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum
(= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt.
In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert und damit verschiedenen Schmerzursachen, insbesondere entzündlichen (z.B. ein Rippenschmerz bei chronischer Mastitis), entgegenwirkt.

Beim Cyr iax Syndrom besteht ein atmungssynchron (= atmungsabhängig) verstärkter Brus twand schmerz und damit auch Rippenschmerz in der vorderen Axillarlinie (= senkrechte Linie durch die vordere Achselfalte). Dieser entsteht meist durch eine indirekte Brustkor bverletzung, so z.B. durch abnorme Streckbewegung oder auch starkes Husten, wodurch sich die Rippe nknorpel VIII-18 (= 8-10) aus ihren Bandverbindungen lösen und auf die Pleura sowie die beteiligten Interkostalnerven drücken.
Bei der Untersuchung findet sich ein Druckschmerz über den Enden der Rippe nVIII-X
(= 8-10), evtl. auch mit einer tast- und evtl. sogar hörbaren Dislokation (= Verlagerung). Zur Schmerztherapie eignen sich seriellen Blockaden der beteiligten Interkostalnerven mit einem lang wirkenden Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel), evtl. sogar kontinuierlich mit Katheter.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation, weil damit die betroffenen Patienten oftmals überhaupt erst in einen rehabilitationsfähigen Zustand gebracht werden können. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).

Die Gesundheitsreform 2007 brachte auch für Schmerzpatienten Vorteile, ausführliche Informationen zu diesem Thema erhalten Sie hier (einfach anklicken).

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Aktualisiert:>07.07.2008</> kusb&
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